Pressemitteilung: Ganser ausladen — kein Forum für Verschwörungstheorien

Verschiedene Jugendverbände, linke Gruppen und Antifaschist_innen fordern in einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme die Absage der von DASDIE-Brettl geplanten Veranstaltung mit Daniele Ganser.
Die Unterzeichner_innen kritisieren, Ganser verbreite bei seinen Veranstaltungen »eine in rhetorische Fragen verpackte Kultur der Hetze gegen Sündenböcke«, indem er mit suggestiver Rhetorik und unseriösen Quellen nahelege, eine Verschwörung von nicht näher benannten Hintermännern habe verschiedene Terroranschläge inszeniert.
So zog Ganser am Jahrestag des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche öffentlich im Zweifel, ob dieser Anschlag überhaupt stattgefunden habe. Das Bündnis kritisiert, dass es in Bezug auf die Anschläge vom 11. September 2001 sehr verbreitet sei, jüdischen und/oder israelischen Strippenzieher für die Vertuschung der wahren Hintergründe verantworlich zu machen. Gerade das sei in einer Zeit, in der immer mehr Menschen geneigt seien, antisemitische Verschwörungstheorien zu glauben, ein Spiel mit dem Feuer.
Ebenso steht die mangelnde Abgrenzung des Autors zu antisemitischen und rechtsextremen Akteuren wie dem Rechtsterrorist Karl-Heinz-Hoffmann und dem COMPACT-Herausgeber Jürgen Elsässer in der Kritik.
Dem Veranstalter Wolfgang Staub, der schon 2012 wegen einer Lesung mit Thilo Sarrazin in der Kritik stand, werfen die Unterzeichner_innen vor, mit vorhandene Ressentiments in der Thüringer Bevölkerung zu kalkuieren, diese aber auch zu
befördern. In einer Zeit, in der rechtspopulistisches und ungleichheitsorientiertes Denken auf dem Vormarsch sei, trage das nicht nur zur Verdummung, sondern auch zur Faschisierung der Gesellschaft bei.
Bei Daniele Ganser handelt es sich laut dem Literaturwissenschaftler Michael Butter um den »derzeit bekanntesten Verschwörungstheoretiker des deutschsprachigen
Raums«. In den 2000er-Jahren ist er mit seiner Dissertation zu »Nato-Geheimarmeen« bekannt geworden, die allerdings auch schon als »grotesk überzeichnet« kritisiert wurde. In den folgenden Jahren hat er sich immer stärker dem öffentlichkeitswirksamen Verbreiten von Verschwörungstheorien gewidmet und dabei nach und nach seine Lehraufträge an Universitäten verloren. Seine Veranstaltungen wurden in den letztem Jahren immer wieder gestört und verschiedentlich auch abgesagt.
Zu den Unterzeichner_innen gehören die Antifaschistische Koordination Erfurt, AntiRa Campus Erfurt, die ATTAC-Ortsgruppe Erfurt, das Bildungskollektiv Biko, die GRÜNE Jugend Erfurt, der Infoladen Sabotnik, die JUSOS Erfurt und Thüringen, Martina Renner (MdB Die Linke und Sprecherin für antifaschistische Politik) sowie SJD-Die Falken Erfurt.

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